Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

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Sprachunterricht:

Kommunikation erschließt die Welt

Peter kam im Alter von sieben Jahren zu uns von einer Schule für Geistigbehinderte. Er hat eine geistige Behinderung und eine hochgradige Schwerhörigkeit. Beim Schulwechsel fiel besonders Peters Verhalten auf. Er erkannte keine Autorität an, provozierte, lief weg und zeigte höchst aggressives Verhalten anderen gegenüber. Obwohl er mit Hörgeräten versorgt war und damit Sprache über das Ohr aufnehmen konnte, sprach er kaum. Ein anderes Kommunikationssystem stand ihm nicht zur Verfügung. Die in Schule und Internat verwendeten Gebärden unterstützten sein Verständnis für Lautsprache und dienten somit als „Katalysator" für seine eigene Ausdrucksmöglichkeit in Worten und Gebärden.

Heute, nach knapp einem Jahr, ist Peter kaum wieder zu erkennen. Es scheint, als sei „ein Knoten geplatzt" und er habe die Kommunikation entdeckt. Er hat Gebärdensprache gelernt und spricht nun auch Worte, so bekam er die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, sich mitzuteilen, Gefühle auszudrücken und etwas zu bewirken. Die Ver­hal­tens­auffälligkeiten haben sich ganz erheblich reduziert. Die erworbenen Sprachkenntnisse dienen ihm außerdem zur Erweiterung seiner kognitiven Fähigkeiten, besonders der Erschließung und Struk­tu­rie­rung seiner Lebenswelt.

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Ver­haltens­auffälligkeiten bei hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen häufiger auftreten als bei hörenden. Für eine positive Entwicklung wird als präventive und pädagogisch-therapeutische Strategie empfohlen:

Die neuen Richtlinien des Landes NRW, die bisher im Entwurf vorliegen, nennen den Förderschwerpunkt „HÖREN UND KOMMUNIKATION". Damit wird deutlich, wie eng beides miteinander verknüpft ist. Wenn im Folgenden von Sprachunterricht die Rede ist, muss ein erweiterter Sprachbegriff im Sinne von Kommunikation zu Grunde gelegt werden. Dabei schließt Kommunikation alle nichtsprachlichen (Mimik, Gestik, Körpersprache) und alle sprachlichen (Laut-, Schrift- und Gebärdensprache, sowie Manualzeichensysteme) Mittel ein.

Ziele des Sprachunterrichts sind Entwicklung des Sprachver­ständ­nisses und des sprachlichen Ausdrucksvermögens. An erster Stelle steht für uns dabei, dass das hörgeschädigte Kind Freude hat, sich anderen mitzuteilen. Die sprachliche Korrektheit tritt dagegen in den Hintergrund.

Ganz wichtig: Kommunikation und Kommunikationsförderung müssen den Lernmöglichkeiten und –bedürfnissen des Schülers angepasst sein, so dass alle Mittel zur Anbahnung von Kommunikation in unserer Schule ihren Platz haben.

Beate Klinke, Dorit Lieding

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