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Zu den traditionsreichsten Bildungsstätten des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) gehört die Rheinische Schule für Hörgeschädigte Euskirchen: 1912 gegründet durch den Provinzialverband der Rheinlande als Vorgänger des LVR, spiegelt diese Einrichtung fast ein Jahrhundert deutsche Gesellschaft.
Als die ersten der 120 „Zöglinge" in ihr Schulgebäude einzogen, galt der Unterricht für „Taubstumme" noch als pädagogisches Neuland. Allmählich wandelte sich das allgemeine Bild vom Menschen mit Hörschädigung. „Taube" müssen nicht „stumm" sein – diese Erkenntnis führte zu einer neuen gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Hörbehinderung, und darin einbezogen war das Kind vom Moment der Diagnose an. Medizinische Fortschritte und die pädagogische Förderung haben seitdem einer Vielzahl hörgeschädigter Menschen wesentliche Hilfe auf dem Weg zu selbstständigen Mitgliedern der Gesellschaft geboten.
In ihrem fast neunzig-jährigen Dienst am gehörlosen Kind lassen sich diese Veränderungen in der Rheinischen Schule Euskirchen beispielhaft ablesen. Schon seit mehr als 30 Jahren widmet sich diese Einrichtung den mehrfachbehinderten Gehörlosen, die aus dem ganzen Rheinland nach Euskirchen kommen. Ein Internat war deshalb unerlässlich, das aber ebenso wie die Schule nach moderneren, behindertengerechten Räumen verlangte.
Wir sind glücklich, dass nach langer Planungszeit die Schule jetzt endlich ihren Neubau beziehen konnte. Es bedurfte großen finanziellen Einsatzes – an dem das Land Nordrhein-Westfalen sich beteiligt hat – damit ein Gebäude entstehen konnte, das den Anforderungen an die heutige ganzheitliche Bildung des hörgeschädigten Kindes von der Früherziehung bis zur Berufsvorbereitung gerecht wird. Für die Internatskinder wurde das ehemalige Gehörlosenheim umgebaut.
Dass Schwung und Freude wie im alten, so auch im neuen Schulhaus das Zusammenleben der Lehrenden und Lernenden prägen – das wünschen wir allen, die hier miteinander arbeiten. Die vorliegende Schrift erscheint zum Beginn eines neuen Abschnitts in der Geschichte der Schule. Sie möge ermutigen zur weiteren Entwicklung gelebter Partnerschaft zwischen Menschen mit und ohne Behinderung.
Winfried Schittges MdL Udo Molsberger
Vorsitzender der Landesdirektor
Landschaftsversammlung
Rheinland